Modernisierung U-Bahnhof Sendlinger Tor

München - Altstadt

Im Rahmen der notwendig gewordenen brandschutztechnischen Ertüchtigung und gleichzeitigen Modernisierung des U-Bahnhofes Sendlinger Tor ergibt sich die Chance zu einer gestalterischen Aufwertung eines im innerstädtischen Kontext wichtigen Verkehrsbauwerkes.
Die Bedeutung des über drei Ebenen gehenden Kreuzungsbahnhofes mit 10 Zugängen zur
Oberfläche sollte neben der funktionalen Verbesserung durch eine zeitgemäße, offene und
freundliche Umgestaltung zum Ausdruck gebracht werden.
Dabei besteht die Möglichkeit tradierte Erkennungsmerkmale dieses bekannten Münchner
Verkehrsortes für Fahrgast und Passanten zu erhalten oder erkennbar neu zu interpretieren.
Die bisweilen beim U-Bahn-Neubau ausgeführte Leitidee des „veredelten Rohbaus“ wird bei
der Gestaltung des aus dem Jahre 1971 stammenden U-Bahnhofes für nicht oder nur für
begrenzt möglich gehalten. Andererseits würde eine Ausgestaltung zum nüchternen
„Regelbahnhof“ oder zum motivischen „Kunstbahnhof“ der Aufgabe nicht gerecht.
Ausgangspunkt und übergeordnetes Ziel der Gestaltung sollte die Unverwechselbarkeit des
Ortes sein.
Als probates Mittel für eine in diesem Sinne angestrebte, neugestaltete Verkehrsarchitektur
wird zuallererst gesehen: der Erhalt oder die Neubetonung der unterschiedlichen,
raumprägenden Bauweisen, wie zum Beispiel der bergmännische Tunnelbau im Bahnsteiggeschoss der U1/U2 (SU), der Trogbau im Bahnsteiggeschoss der U3/U6 (SE) und
der herkömmliche Tiefbau im Sperrengeschoss (SPG), ebenso die Aufnahme der
vorgegebenen, verkehrlichen Grunddisposition aus dem Gleisverlauf und die stadträumlichen
Beziehungen zur Oberfläche.
So wird beispielsweise die Dynamik des Raumes die sich durch die Verjüngung und
Krümmung des SE-Geschosses, die auch im (obersten) Sperrengeschoss noch spürbar ist,
für ein neues Konzept zur Raumwirkung gerne aufgegriffen und gestalterisch umgesetzt. Die
Tunnelröhren des SU und die Quadratröhren des SE werden nicht kaschiert sondern in der
Ausgestaltung mit herangezogen.
Die sich hieraus ergebenden unterschiedlichen Raumqualitäten - schon bei der bestehenden
alten Gestaltung ein wichtiges Spezifikum – können auch heute noch für die Personenleitung,
die Orientierung oder für eine spannungsvolle Raumatmosphäre herangezogen werden.
Gleichzeitig bildet der Erhalt der Raumcharakteristika eine wichtige Voraussetzung für ein
durchgängiges Material- und Gestaltungskonzept in allen Ebenen von den Bahn steigen über
das Sperrengeschoss bis hin zur Oberfläche. Die subtilen Differenzierungen zwischen helleren
und dunkleren, strahlenden oder weniger strahlenden Oberflächen oder die Eigenständigkeit
der Bekleidungen im Gleisbereich stehen einer großzügigen Durchlässigkeit der Gestaltung
nicht im Wege sondern sorgen zumindest unterschwellig für Prägnanz.
Für die erforderlichen Bekleidungen werden helle und freundliche Materialien vorgeschlagen,
die in Verbindung mit dem Lichtkonzept eine angenehme lichte Atmosphäre erzeugen und
besonders in den tief unten liegenden Bahnsteigbereichen dem Gefühl des
Eingeschlossenseins entgegenwirken.
Im Sinne von Energieeinsparung werden Materialoberflächen reflektionswirksam im
vorgeschlagenen Lichtkonzept berücksichtigt. Außerdem ergibt sich durch die Beschränkung
auf wenige Materialien die Chance bei der Vielzahl der notwendigen, betrieblichen Einbauten
die Klarheit und Übersichtlichkeit der Räume zu erhalten.
Signaletik:
Das Informations- und Leitsystem der Stadtwerke wird linienkonform und in vorgegebenem
Standard in die Neugestaltung integriert. Dabei stehen die maximale Orientierbarkeit, eine
leichte Auffindbarkeit und Lesbarkeit im Vordergrund. Wegen der Vielzahl der
Signaletikeinrichtungen des Kreuzungsbahnhofes und der eingeschränkten Raumhöhen
sollten nur die notwendigsten Informations- und Leiteinrichtungen nach erkennbarem,
wiederkehrendem Ordnungsprinzip unter Beachtung der Raumqualitäten der „freigeräumten“
Raumteile Berücksichtigung finden..

Leistungsphase:  0 - Machbarkeitsstudie

Auftraggeber: SWM Services GmbH

Visualisierung: killius | ernst | architekten gbr

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